Deutschland feiert – wir nicht!

In diesen Tagen rüstet sich München auf ein Masse von 500.000 zu erwartenden Gästen. Warum!?! Kommt die Loveparade doch wieder oder hat die Fussballnationalmanschaft irgendetwas gewonnen? Fast, denn am 3. Oktober feiert Deutschland mal wieder ein nationales Partyevent, den Tag der Deutschen Einheit. Und wie es sich für den deutschen Partypatriotismus gehört darf natürlich auch ein riesiges Bürgerfest und eine Fanmeile – die sogenannte Ländermeile – nicht fehlen. Doch für uns gibt es am 3. Oktober keinen Grund zum Feiern!

3. Oktober

Denn schauen wir uns das Programm der diesjährigen Einheitsfeierlichkeiten in München an, stellen wir fest das es – mal wieder – reichlich Angebote für Menschen gibt, die es nach nationaler Identifikation dürstet. Neben den Feier- und Partyevents gibt es auch das, was sich die Organisator_innen wohl unter einer „nationalen Kulturveranstalltung“ vorstellen, wie einen Trachtenumzug, Musik, Sport und einer „Brotzeit“ mit verschiedenen Brotsorten die Deutschland ach so gut repräsentieren sollen. Und auch die Verfassungsorgane und der Bundesrat dürfen sich inszenieren, um die Bundesrepublick als offenen und modernen Staat darzustellen. Doch auch für die Menschen, für die deutsch zu sein etwas mit Biologie zu tun hat, gibt es die Möglichkeit sich wiederzufinden. Denn schauen wir uns die Fähnchen schwänkenden Werbefrauen dieser Events an, sieht mensch eben nicht nur eine stereotype bayrische Landidylle sondern auch zwei Frauen mit heller Hautfarbe und selbstverständlich, stark herrausstechenden blauen Augen. Hier wird mal wieder viel Aufwand betrieben um der Bevölkerung der deutschen Nation ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln, das sich weder kulturell noch biologisch begründen lässt und erst recht nicht dadurch, das wir alle unter den selben Verwaltungsorgenen leben müssen.
Doch wie auch immer die Menschen dieses Zusammengehörigkeitsgefühl für sich begründen, für die nationalstaatlichen Akteure ist es unabdingbar. Und zwar so sehr das der nationale Feiertag eben auf den 3 Oktober (der Tag des Wirksamwerdens des „Beitritts“ der DDR zur Bundesrepublik) und nicht etwa auf den viel symbolträchtigeren Tag des Mauerfalls am 9. November gelegt wurde, an dem man sich wegen des gleichen Datums wohl auch immer mit den Ereignissen der Reichsprogromnacht von 1938 hätte auseinandersetzen müssen. Den sich mit den Folgen des Wahns einer nationalen Gemeinschaft zu beschäftigen wäre für das neu errungene Selbstbewusstsein des jetzt souverränen deutschen Staates wohl zu hinderlich. Im Gegenteil wird sogar versucht die angebliche Aufarbeitung der Verbrechen des 2. Welkrieges und des Holocausts für ein neues und leichter verträgliches Deutschlandbild zu nutzen.
Was damit bezweckt werden soll, ist das die Menschen sich hinter dieses angeblich neue, aufgeklärte Deutschland stellen und bereit sind eine Politik nach nationalen Interessen zu unterstützen. Und das gleich in mehrerer Hinsicht, denn seit der Wende tritt der deutsche Staat zunehmend aggressiv nach innen und aussen für seine Vorteile ein. So nimmt Deutschland mittlerweile eine dominierende Position innerhalb der Europäischen Union ein und schafft es, seine Interessen gegenüber krieselnden EU-Mitgliedsstaaten zu schützen. Nach ausserhalb der EU werden die Interessen mittlerweile anders durchgesetzt, so wurde Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee zu einer Interventionsarmee transformiert um den Nachschub Europas mit Ressourcen mit militärischen Mitteln zu schützen.
Aber auch nach innen fordert diese Nation viel ab. Denn um Marktfähig zu bleiben und die Krisen zu überstehen, müssen die Menschen immer wieder gewaltige Zugeständnisse eingehen, ob nun Reallohnverluste, Abbau der Sozialleistungssysteme und Rente mit 67. Das dabei nicht vollkommen darauf gesetzt wird, das die Menschen das alles freiwillig mitmachen wird immer deutlicher, ob nun daran das die Überwachung stetig steigt, die Ausrüstung von Polizei und Militär sich immer ähnlicher wird oder die gesetzlichen und technischen Vorraussetzungen geschaffen wurden, um die Bundeswehr auch im Inland einzusetzen.
Aber warum das ganze?! Das deutsche Interesse ist dasselbe wie bei allen anderen Nationalstaaten, die nationale Ökonomie muss an den Märkten wettbewerbsfähig bleiben! Um Erfolgreich zu sein sind die Kapitalisten_innen dazu gezwungen gegen andere Kapitalisten_innen auf dem Markt zu konkurrieren und aus Geld mehr Geld zu machen, dass wiederrum eingesetzt werden muss um Vorteile auf dem Markt gegenüber den anderen Kapitalisten_innen  zu erlangen. Es ist also ein Ziel von Nationalstaaten den nationalen Akteuren zu helfen mehr Kapital anhäufen zu können, die somit im Vorteil im kapitalistischen Wettstreit sind.  Gewaltige Mengen an Kapital  konzentrieren sich in wenigen Händen und somit in wenigen Ländern. Darin ist Deutschalnd auch sehr erfolgreich, was uns der massive Exportüberschuss der deutschen Wirtschaft zeigt. Doch dieser Erfolg kostet, den er wird bezahlt mit der Verelendung großer Teile der Bevölkerung und einer regressiven Ausbeutung anderer Länder die auch zunehmend mit militärischer Gewalt gesichert wird. Was für große Teile der Bevölkerung schwächerer national Ökonomien elend und Hunger bedeutet.  Auf der einen Seite werden Menschen ausgebeutet und auf der anderen Seite profitieren Menschen von dieser Ausbeutung.
Um dem Irrsinn von weltweit steigender Armut und Verelendung obwohl immer mehr Waren produziert und immer mehr Reichtum generiert wird zu entkommen hilft es nichts, sich als nationale Schicksalsgemeinschaft hinter die Interessen von Staaten zu stellen. Beim heutigen Stand der Technik müsste niemand auf der Erde in Elend Leben und alle könnten ein gutes Leben haben. Wir müssten nur gemeinsam über die Produktionsmittel verfügen und überlegen, wie wir die Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse aller vernünftig herstellen und verteilen.
In diesem Sinne:

Gegen jeglichen Nationalismus!
Dem deutschen Staat den Kampf ansagen – Kapitalismus abschaffen!